Es ist Dienstag, draußen das Wetter eher gemächlich bis gräulich-nervend. Der heutige Soundcheck ist ein wenig nostalgisch, wir begeben uns ein ganzes Stück weit in die Vergangenheit. Genauer gesagt bis ins Jahr 1999 – zu diesem Zeitpunkt entstand das Album mit dem Namen S&M, kurz für Symphony and Metallica – Nicht für Sadomaso, das Album tut in keinster Weise weh.

Die Grundidee für dieses Werk entstand im Hirn des Komponisten Michael Karmen, welcher auch die Orchesterparts für dieses Album schrieb. Die Exekutive dieser Komposition war das berühmte San Francisco Symphony Orchestra, dass auch schon in Werken wie Aristocats, Hair und ähnlichen großen Musicals mitgespielt hat. Auf S&M spielen Metallica wie gewohnt ihre eigenen Stücke (zwei davon, Minus Human und No Leaf Clover, erstmalig veröffentlicht), während das Symphonieorchester sich darum herum ausbreitet, dazwischenmischt, oder auch frontal dagegen anspielt. Die besten Ergebnisse, das bestätigte James Hetfield in einem Interview, wurden dabei mit Stücken erzielt, die nicht schon von Haus aus zu massiv und komplex klingen, so dass genügend Raum für die orchestralen Ergänzungen bleibt. Zurück zum Album an sich. Ganz klar zu sagen ist, dass dieses Album nichts für Metallica-Puristen ist, dafür finden sich dann doch zuviele orchestrale Einheiten. Ein hübsches Bild gibt die Vorstellung von vier schwarz gekleideten Männern ab, welche Köpfe schwingend zwischen 108 Musikern des San Francisco Symphony Orchestra ihr metallisches Liedgut zum besten geben.

Was dieses Album zu bieten hat ist nicht nur hörenswert, weil es eben neu ist, sondern eröffnet Songs in einer Intensität, wie man sie nicht allzu häufig vorfindet. Erstaunlich in mancherlei Hinsicht ist dabei die Auswahl der Stücke, die die Band als zum Experiment geeignet in das Projekt eingebracht hat. Sie deckt im Prinzip die ganze Bandbreite des zur Verfügung stehenden Repertoires ab, auch wenn man vielleicht an Stelle des ‘Call Of Ktulu’ vielleicht lieber ‘Orion’ gehört hätte.
Herausragend ist dabei auch der zuvor unveröffentlichte Track: ‘No Leaf Clover’, dabei sei dahin gestellt, ob er extra für diese Scheibe arrangiert wurde oder zuvor schon stehend schlicht ins Gesamtwerk miteingebaut wurde. Der Song ist ein ziemlicher Hammer. Und das gilt eigentlich für die beiden ganzen Scheiben, aus denen sich das Album zusammensetzt. Ist die Erste eher was für die härtere Fraktion, findet der Liebhaber der langsamen Stücke das Seine auf der Zweiten.
Dementsprechend dürfte für jeden etwas dabei sein.

Applaus für beide Parteien, sowohl Metallica als auch den Symphonikern, für den Mut, solch ein Projekt zu verwirklichen. Aber ein Pünktchen Abzug von mir notorischem Nörgler für die etwas danebengegangene Songauswahl. Ansonsten: Projekt gelungen, Ohren tot!
- Alexander Cordas, laut.de

Tracklist
CD 1:
1. The Ecstasy of Gold (2:30)
2. The Call of Ktulu (9:34)
3. Master of Puppets (8:54)
4. Of Wolf and Man (4:18)
5. The Thing That Should Not Be (7:26)
6. Fuel (4:35)
7. The Memory Remains (4:42)
8. No Leaf Clover (5:43)
9. Hero of the Day (4:44)
10. Devil’s Dance (5:26)
11. Bleeding Me (9:01)
CD2:
1. Nothing Else Matters (6:47)
2. Until It Sleeps (4:29)
3. For Whom The Bell Tolls (4:52)
4. Human (4:19)
5. Wherever I May Roam (7:01)
6. Outlaw Torn (9:58)
7. Sad But True (5:46)
8. One (7:53)
9. Enter Sandman (7:39)
10. Battery (7:24)

Fazit: Nix für Puristen, für Liebhaber ein absolutes Muss! Hetfield zeigt sich von seiner Schokoladenseite, die Kombination mit dem Ensemble aus San Francisco ist ein rundum gelungenes Teil. Wer sich gerne die Ohren verwöhnen lassen, dabei aber nicht auf die gewohnte Metallica-Brachialität verzichten möchte, ist hier genau richtig. Einzig die Liedauswahl lässt manchmal etwas zu wünschen übrig.
Wertung: 8.5/10

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